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Jugend musiziert


„Die Geige ist zu leise.“
Jugend musiziert

„In manchen Situationen erkennt man sich wieder“
Männerabend

Natürlich blieben sie allesamt höflich..
FDP im Wahlkampf

„Wir haben unsere Zäune bekommen.“
Werner Rennen Anwohner

(Landeswettbewerb Jugend musiziert; 2018)

Fiene Dittenborn und Caroline Beckmann

"Ohne Lampenfieber würde es schlecht werden."

„Die Geige ist zu leise“, findet Jan Döling. Er stellt seine Tochter Fiene Dettenborn, 17, samt ihrer Geige und dem Notenständer ein Stückchen um, dann gefällt es ihm besser. „Der Flügel soll sehr basslastig sein“, hat die Pianistin Caroline Beckmann, 18, gehört. Jan Döling rät zur Kaltblütigkeit: „durchziehen, auf nichts achten.“ Die beiden Kieler Musikerinnen bereiten sich in einem Raum im Obergeschoss der Elmshorner Musikschule auf ihren großen Auftritt vor: Sie werden als Duo vor einer Jury des Landeswettbewerbs „Jugend musiziert“ auftreten.
Ein Helfer im roten T-Shirt kommt in den Einspielraum: Dettenborn und Beckmann werden zum „Tastentest“ gebeten. Fünf Minuten haben sie, um sich im Wertungsraum einzugewöhnen. Beckmanns Klavierhocker wackelt, ihre Lehrerin Ingeborg Lakämper-Rietz holt Ersatz. Notenblätter rutschen auf den Boden. Die fünf Minuten sind schnell vorüber. Bis zum Vorspielen dauert es noch ein wenig, die beiden jungen Frauen eilen wieder hoch in ihren Einspielraum und nehmen sich noch ein paar schwierige Stellen vor.
Nach dem Vorpsielen sieht sich die Pianistin Beckmann in ihrer Ahnung bestätigt: „Der Flügel ist ein bisschen schwierig, er ist sehr basslastig.“ Sie tröstet sich: „Der Grieg arbeitet sehr viel mit Bässen“, da passe die Abstimmung des Instruments, die sie im Endeffekt „so halb und halb“ stört.
Monatelange Vorbereitungen, aufgeregte Jugendliche, Eltern und Lehrer, Instrumentenkoffer in allen Variationen, souveräne Juroren, Empfangstresen und hilfsbereite Teamer in roten T-Shirts an neuralgischen Punkten: Elmshorn stand am vergangenen Wochenende im Zeichen des 55. Landeswettbewerbs für junge Musiker. VHS, Bismarck- und Musikschule, Industriemuseum, KGSE und EBS waren zu Spielstätten umfunktioniert. Die dort auftraten, hatten allesamt schon die erste Hürde geschafft und beim Regionalwettbewerb so gut abgeschnitten, dass sie nun zur zweiten Runde antraten. Von 520 regionalen Teilnehmern waren landesweit noch 269 angemeldete übrig geblieben. Allerdings kamen nur rund 250 zwischen elf und 27 Jahren auch tatsächlich an: Die Grippewelle forderte Tribut.
Kulturministerin Karin Prien verteilte 138 erste Preise, 95 Schleswig-Holsteiner Jugendliche werden das Land Pfingsten beim Bundeswettbewerb in Lübeck vertreten. Alle Teilnehmer „gewinnen“ zehn Minuten Beratungsgespräch mit den Juroren. Dabei bekommen Sie Hinweise von Experten ihres Faches.
Hanna Saager, 14, ihre Mutter Birgit und ihre Lehrerin Isabel Stadie sind extra früh in Heide bei Schneegestöber in den Zug gestiegen. Jetzt stehen sie in einem Flur in der Bismarckschule und haben noch mehr als eine Stunde Zeit, bis sie mit dem Einspielen beginnen können. Hanna spielt Querflöte, sie ist zum zweiten Mal beim Landesswettbewerb dabei, ihr Porträt ziert die Titelseite des Programmheftes. Aufgeregt? „Ohne Lampenfieber würde es, glaube ich, schlecht werden“, sagt die junge Musikerin: „Dann würde ich mir keine Mühe geben“. Vier Stücke hat sie einstudiert, wie alle Teilnehmer hat sie sich drei Epochen vorgenommen: Barock, Klassik und Moderne. Ihre Flötenlehrerin Stadie hat die Teilnahme an „Jugend musiziert“ angeschoben. „Sie müssen eine Portion an Musikalität haben“, findet Stadie: „und die Bereitschaft,. sich intensiv zu engagieren“.
In einem Aufenthaltsraum sitzen Friedrich Wedel aus Kiel und Carola Schaal aus Hamburg. Der weißhaarige Brillenträger mit der Glatze und die fröhliche Klarinettistin gehören zu einer Spezialjury: Sie suchen für das Forum für zeitgenössische Musik nach hervorragenden Interpretationen Jugendlicher ebendieser Musik. Die Moderne als Epoche müssen alle Teilnehmer abdecken: „‘Müssen‘ ist richtig“, seufzt Schaal. Wedel erklärt den Unterschied zwischen moderner Musik – deren Komponist lebt noch oder ist erst kürzlich verstorben – und zeitgenössischer: Das ist Musik, die mit neuen Spieltechniken arbeitet, für Wedel die „Fortsetzung der Klassik mit modernen Mitteln“. Spaltklänge, Flatterzunge, Vierteltöne, Glissandi: Solche Techniken suchen die beiden für den Chiffren-Preis ihres Forums. Sie sind rar gesät: Aus dem gesamten Teilnehmerprogramm, dass rund 1 000 Stücke umfasst, haben Wedel und Schaal gerade mal vier Kandidaten herausgepickt.
Der Chiffren-Preis des Forums für zeitgenössische Musik ist mit 500 Euro dotiert; bei „Jugend musiziert“ selbst gibt es nur Urkunden. Aber es sind noch sechs weitere Sonderpreise an diesem Wochenende ausgelobt: Ein Instrumentenbauer spendiert einen Sonderpreis „Klavier vierhändig“, bei der deutsch-dänischen Blechbläserakademie gibt es zwei Stipendien, der NDR, die Cellotage Hamburg und der Hauptsponsor loben weitere Preise aus.

Fiene Dittenborn und Caroline Beckmann

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