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Vatertag


„Du musst Musik haben, du musst einen Sonnenschirm haben und einen Regenpavillon.“
Vatertag

„Ich habe bewusst nicht die ganz schlimmen Bilder eingepackt.“
Rüdiger Nehberg

Wer hier zu Besuch kommt, wird genötigt, das Herrenhaus zu bewundern.
Gut Kamp

„Das sollten Sie mal fotografieren!“
Elblotsen

(Reportage vom Vatertag im Hafen von Kollmar; 2014)

Vatertag

Wo die Bollerwagen hinziehen

„Du musst Musik haben, du musst einen Sonnenschirm haben und einen Regenpavillon“, erklärt der junge Mann aus Langenhals. Zu acht sind sie gekommen, zwei Stunden haben sie gebraucht, bis sie zu Fuß den Hafen in Kollmar erreicht haben, dort haben sie jetzt alles aufgebaut. Mittelpunkt ihres Standes ist ein großer Wagen, mit dem sie alles hergezogen haben. „Alles verkehrssicher“, betont der junge Mann und zeigt auf die Reflexstreifen am Wagen: „Mit einem Trecker hast du immer Ärger“. Der Grill raucht, zu trinken haben die Ausflügler Bier, Cola, Korn und Jägermeister dabei.
Vatertag in Kollmar. Der Hafen dort ist bekannt für seinen schönen Blick auf die Elbe. Die Bänke am Deich und auf der Mole sind voll, die Tische und Bänke an den Imbiss- und Bierwagen gut besetzt. Unzählige Motor- und Fahrräder sind abgestellt, Deichvorland und Buswendeplatz sind als gebührenpflichtige Parkplätze ausgewiesen. Kollmar ist Ziel vieler Vatertagstouren; und weil an Himmelfahrt viel los ist, kommen auch viele Leute zum Gucken. „Wir kriegen immer was ab, das spart gewaltig“, freut sich eine ältere Dame, die mit ihren drei Freundinnen auf einer Bank kurz vorm Molenkopf sitzt, nahe am Brennpunkt des Feierns. „Die Älteren gucken, die Jüngeren trinken“, fasst Hans-Jürgen Pawlowski aus Barmstedt die Lage zusammen. Er ist mit dem Motorrad hergefahren und isst jetzt auf den Deich gefläzt ein Eis.
14 Uhr, am Strand herrscht Betrieb. Musik plärrt aus diversen Bollerwagen, junge Männer gröhlen gegenan, viele halten sich beim Gehen, Stehen oder Sitzen an einer Bierflasche fest. Ein Mädchen wird kreischend ins Wasser geschubst. Felix aus Krempe erzählt, dass sie mit 70 Leuten aus Glückstadt gekommen seien, ein Freundeskreis, der von Itzehoe bis Hamburg reicht und sich seit drei Jahren zur Vatertagstour trifft: „Man freut sich halt immer tierisch drauf.“ Bei vielen Gruppen sind junge Frauen dabei. Adriana Kachel aus Pinneberg erklärt, warum:„Wir feiern unsere Väter.“
Die DLRG ist mit 26 Mitgliedern, drei Booten und drei Autos vertreten; normal sind in Kollmar sechs bis sieben Wasserretter samt Boot stationiert. Die DLRG kümmert sich zwar in erster Linie um Wasserrettung, aber heute ist die Erste Hilfe das Wichtigere. In Dreierstreifen ziehen die Männer und Frauen durch die Feiernden, den Rucksack mit dem wichtigsten Equipment und ein Funkgerät haben sie dabei. Der Einsatzleiter rechnet damit, dass die heiße Phase bis 22 Uhr dauern wird.
Die Polizei hat 40 Beamte aus Dithmarschen und Steinburg zusammengezogen, die Dorfschule ist ihre Zentrale. „Bis jetzt gar nix“ haben sie zu tun, erklärt Einsatzleiter Hans-Jürgen Lutz am frühen Nachmittag. Aber für seine Leute geht es erfahrungsgemäß erst später los, wenn der Alkohol seine enthemmende Wirkung entfaltet hat.
Die Frau am Parkplatz rechnet nicht mit Randale: „Heute is’ ja gar nix“, winkt sie ab: „Harmloser geht’s gar nicht.“ Auch Pawlowski, der Motorradfahrer aus Barmstedt, sieht das Treiben gelassen: „Letztes Mal war’s interessanter, da war mehr Gegröhle.“

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